kreisverkehr

15Sep10

Da kommt man an einem trockenen Mittwoch Nachmittag frohgemut von der Arbeit, möchte noch irgendwo Rasen mähen, und dann gerät man in einen Kreisverkehr.

Übel ist nicht, dass der Kreisverkehr noch gebaut wird und nur eine Hälfte der Runde fertig ist. Auch nicht, dass er sich an einer Schräge befindet und “wellig” aussieht.  An sich ist es auch noch nicht schlimm, wenn man per Mopped da durch und die übernächste Ausfahrt raus will, aber schon an der ersten Ausfahrt von einem eigentlich wartepflichtigen Verkehrsteilnehmer glatt übersehen wird. Trotz Licht am Fahrzeug.

Äußerst unangenehm dagegen wirkt sich per Zweirad – im Gegensatz zum PKW, die notwendige Vollbremsung aus, weil bei einem halben Meter bis zur Kollision eben nur erstere oder letztere bleibt. Platz und Zeit zum Ausweichen? Nada. Gut, dass es der Einbieger ziemlich eilig hat und seinerseits Gas gibt. Schlecht, dass die Vollbremsung auf besagter Fläche mit Baustellensand als Reibungshemmer zum Wegrutschen des Vorderrades und einem Drift auf der linken Backe bis zum nächsten Bürgersteig führt. Gut wiederum, dass die “Karosserie” des Pantheon einen einigermaßen guten Fahrerschutz bietet.

Schlecht, dass die Verkleidung  die Rutschpartie ebenso wenig ganz folgenlos übersteht wie  der Fahrer. Der steht zunächst mal auf, schafft den Roller auf die Seite und wird sofort von hilfreichen Passanten umringt und nach seinem Befinden gefragt. Ebenfalls gut, dass der physikalisch gar nicht betroffene Unfallverursacher doch wenige Meter danach anhält und sich ebenfalls zum Ort des Events begibt.

Event? Klar. Ein zur Stelle geeilter Bauarbeiter, zwei nachfolgende PKW-Fahrer und drei offenbar gerade vom Einkauf kommende Passantinnen sind zur Stelle und fallen, sich intensiv kümmernd, quasi über den verunfallten Rollerfahrer her. Der wurde genötigt, anzugeben, ob er Verletzungen habe – und checkt sich, den Schock noch verarbeitend, erst einmal selbst: Linker Unterschenkel: Schürfwunde. Rechter Fuß: Prellung mit beginnendem Hämaton. Rechte Hand: Prellung im Bereich Daumengelenk. Hose leicht beschädigt. Helm: bis auf Schrammen ok., Kopf auch. Knie: etwaas wackelig…

Die Schürfwunde hat es den zur Hilfe Geeilten angetan. Man stürzt zum nächsten Auto, plündert dessen Verbandkasten um Mullkompresse und dito Binde und beginnt zu dritt, den Fuß fürsorglich-fachkundig einzuwickeln. Derjenige, dessentwegen  dieser Stunt passierte, ruft derweil selbst Polizei und Rettungswagen – trotz Widerspruchs des Mopedfahrers.

Die Kameraden von der grünen Fraktion haben ganze fünfzig Meter bis zum Kreisel und sind nach 45 Sekunden anwesend, der Rettungswagen etwa 400; die schafft er, mit Beleuchtung, aber ohne Musik, in weniger als zwei Minuten. Als hätte man auf eine solche Gelegenheit nur gelauert. Der Verunfallte wird in den Sani genötigt, der fachgerecht angelegte Fußverband entfernt und die Schürfung nochmal fachkundig begutachtet. Nach nochmaliger Befragung wird das Opfer im RTW festgeschnallt und in die nahe Krankenhaus-Ambulanz gekarrt. Dort verpasst man ihm sechs Röntgenaufnahmen und zwei Tetanusspritzen. Nach fast eineinhalb Stunden lässt man es wieder frei, und es darf die vierhundert Meter zum Ort des Geschehens, an dem seine Fahrzeugreste geparkt sind, zurückhumpeln.

Sein Weg führt am Dorfpolizeibüro vorbei und sein Blick in dasselbe. Der Unfallaufnehmende – sorry: unfallaufgenommenhabende *g* Polizist kämpft mit seinem PC, blickt Richtung Fenster, stutzt kurz und reißt eigenhändig die Tür zur Wache auf. Als erstes gesteht er, dass er den Unfall bereits an die Wache der Kreisstadt weitergeleitet hat, als zweites, dass er den Kollegen dort mitgeteilt hat, der Betroffene werde sicherlich im Krankenhaus bleiben müssen, weil einiges an ihm nicht mehr so ganz heil ausgeschaut hätte. Nun, diesen seinen Befund muss er nun revidieren. Der Beschädigte sitzt leibhaftig vor ihm und er kann mit ihm das Protokoll noch mal durchsprechen. Außerdem kann man sich über Urlaub unterhalten: Der Herr Polizist verbringt seit Jahr und Tag seine Ferien in dem Dorf an der Mosel, in welchem sein Gesprächspartner geboren wurde.

Nun, der Tag ist schneller und anders zuende als geplant: Der Rasen muss warten, das Mopped zur Werkstatt und sein Fahrer am Folgetag noch zum Hausarzt.

Als Fazit bleibt: Nicht jeder, der einem die Vorfahrt nimmt, ist ein Ar*loch, nicht alle sehen weg oder können nicht helfen, und nicht jeder zufällige Beobachter hat, wenns ans Notieren der Zeugen geht, überhaupt nichts gesehen: Manche Tage bringen eben positive Momente, auch wenn die gelegentlich schmerzhaft sind…



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