tierpark?
Manchmal gehen einem Dinge im Kopf herum, die wichtig sind und Erledigung fordern, und eigentlich findet man es nicht an der Zeit, einen “Artikel” zu veröffentlichen. An diesem regnerischen Novemberwochenende allerdings drängt sich etwas in die Erledigungsreihenfolge hinein, das in letzter Zeit etwas verschütt war. Also los:
Niederfischbach, ein kleiner Ort mit rund 5.000 Einwohnern in Nordrheinlandpfalz *fg* hat einen Tierpark. Seit 50 Jahren. Den einzigen in der Region. Der Zoo befindet sich nicht weit entfernt vom Asdorftalradweg, welcher weitgehend über die ehemalige Bahnlinie Betzdorf – Freudenberg (mit Hohenhainer Tunnel) – Wildenburg – Wenden – Olpe verläuft. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien mit Kindern. Betreiber ist ein Trägerverein, der Anfang April anscheinend noch 600, laut eigener Website ca. 550 und nach einem Artikel in der Rhein-Zeitung vom 19. November 2010 rund 500 Mitglieder stark ist.
Bereits im April war auf derwesten.de zu lesen, dass der Tierpark Nachwuchssorgen habe. Die Altersstruktur des Trägervereins, dessen Mitglieder ein Großteil der anfallenden Arbeiten in Hand-und Spanndiensten leisteten, zeige keine Tendenz zur Verjüngung – es fehle an Nachwuchs. Die Orts- und Verbandsgemeinde seien sich jedoch einig, den Tierpark zu erhalten, und man arbeite an einem Konzept.
Im Sommer war es in den regionalen Medien sehr ruhig um den Tierpark.
Unter der Überschrift “Die Auflösung rückt näher” findet sich dann am 19. November 2010 in der Rhein-Zeitung ein Artikel, in dem vom bevorstehenden Ende des Trägervereins die Rede ist. Als Begründung weren die Überalterung, der fehlende Nachwuchs, mangelndes ehrenamtliches Engagement und daher hohe Lohnkosten für Angestellte sowie als Folge daraus ein befürchtetes finanzielles Desaster nach dem Jahre 2011 angeführt.
Als Ausweg sieht der Verein eigene Auflösung und die Schließung des Tierparks, hofft aber, den Park über die Deutsche Tierpark Gesellschaft an einen Investor abgeben zu können.
Auf seiner Webseite sucht der Verein zwar ehrenamtliche Helfer für Arbeiten, aber eher allgemein und nicht aktions- und terminbezogen (die Heuernte z.B. ist im November längst gelaufen). Von Nachwuchssorgen, und davon, welche konkreten Aufgaben denn zu vergeben wären, liest man jedoch nichts. Auch die Altersproblematik findet dort keine Erwähnung.
Zu der Initiative, die im April seitens Orts-Und Verbandsgemeinde angesprochen war, findet sich nichts, weder im Zeitungsbericht noch auf der Vereinsseite.
Nicht nur das macht stutzig, sondern auch, dass der Verein recht wenig Werbung in der Region macht, und dass – in aller Munde – von Ein-Euro-Jobbern, die hier wirklich zusätzlich und gemeinnützig eingesetzt werden könnten (der Trägerverein darf Spendenquittungen ausstellen, müsste also gemeinnützig sein) irgendwo die Rede ist. Wenn direkt jenseits der Landesgrenze Ein-Euro-Jobber sogar beim Bauhof ganz reguläre Arbeit tun, dann müsste es hier erst recht Einsatzmöglichkeiten geben. Auch über Zuweisungen von Bußgeldern zur finanziellen Unterstützung liest man nichts.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Tierparkverein sehr rührig war, was die eigentliche Arbeit im Zoo selbst anging. Der Tierpark war einfach “da”. Ein “Bewusstsein” in der Region bei potenziellen Besuchern, Helfern oder Spendern, ein “Image”, größeres Engagement von Einwohnern hat man jedoch anscheinend nicht erreichen können. Eine Art Öffentlichkeitsarbeit oder PR fehlt offenbar ebenso wie ein tierparkdidaktisches Konzept z.B. für Schulklassen oder andere Besucher, oder das Ansprechen der vielen Radtouristen.
Nach fünfzig Jahren des Bestehens ist es eine traurige Erfahrung, dass der Tierpark, wie er ist, wohl nicht weiterbestehen wird, sofern der Trägerverein nicht in die Öffentlichkeit und in die Offensive geht. Schade um den Park und die in langen Jahren geleistete Arbeit, wenn es nicht gelingt, “den Staffelstab an die nächste Generation weiterzugeben” …
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(Dieser Text stammt von einem außenstehenden Beobachter aus der Region)
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So, nu isses raus: Der Trägerverein des Niederfischbacher Tierparks hat noch 580 Mitglieder. Zur Vollversammlung kamen keine dreißig. Die meisten sind in dem Verein nicht um an der Sache mitzuarbeiten, sondern weil sie dann ganzjährig freien Eintritt haben.
Die Ehrenamtlichen fehlen. Der Vorsitzende sagte in der Versammlung, dass die “alte Garde” sich “vielleicht” auch nicht wirklich um Nachwuchs für die Subbotniks bemüht habe.
Folge: Explodierende (Lohn-)Kosten: 150.-200.000 Euro jährlich.
Die Gemeinde kann nur Zuschüsse geben, wenn ihre Kassenlage stimmt und die Kommunalaufsicht zustimmt. Ist aber nicht der Fall.
Auch der Kreis rückt kein Geld heraus.
Jetzt haben die paar Männekes die Satzung geändert. Man ist nicht mehr auf die Mehrheit der Mitglieder, sondern nur noch auf Dreiviertelmehrheit der Anwesenden einer Mitgliederversammlung angewiesen, um grundlegende Entscheidungen zu treffen. Der Vorstand will nicht mehr; man denkt an Verkauf, Auflösung oder Umstellung auf “Förderverein”.
Zur Gewinnung von von neuen Spendern, von jungen, motivierbaren Freiwilligen war aus der Mitgliederversammlung nichts zu hören. Anscheinend hat man nicht das richtige Personal für sowas. Die Tierparkwebseite (Link im Artikel) sieht weiter so aus wie gehabt.
Schade.
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(Quellen: Rhein-Zeitung, Online-Ausg. v. 28.11.2010 – Screenshot,
ausführlicher die Print-Ausg. 29.11.2010, S. 16: “Tierpark droht 2012 die Pleite”)