was bleibt?
Vor gut eineinhalb Jahren lernte ich dich kennen, dein faszinierendes Gesicht, deine immer freundliche Art, deine Neugier, dein weiches, rotes Haar. Vieles habe ich seitdem von dir gelernt, mir manchmal Sorgen gemacht, wenn du verschwandest. Mich gefreut, wenn du dich nach einiger Zeit wieder meldetest. Deine Nähe genossen und mich bei dir wohlgefühlt.
Nun ist da Leere, Max. Leere in deinem Sessel, auf deinem Lieblingsplatz auf der Lehne des Sofas, Leere an deinem Aussichtsplatz am Küchenfenster. Leere an deinem Fressnapf, deinem Hochsitz auf dem alten Baumstumpf im Garten. Es fehlt dein energisches Auftreten zur Essenszeit, das Schnappen der Türklinke, wenn Du auf Exkursion gingst, das klägliche Maunzen nach einer späten Heimkehr, wenn die Kellertür schon abgeschlossen war, es fehlt das Klingeln deines Halsbandes bei den Versuchen, dich heimlich davonzuschleichen.
Du warst Pazifist. Wärest nie auf die Idee gekommen, zu schlagen, zu beißen oder zu kratzen. Weder, wenn ich dich auf den Arm nahm um dir Medizin zu verabreichen, noch beim Tierarzt, der dir im letzten Jahr den Blasenkatheter legen musste, weil dein Harnleiter verstopft war. Auch in den Weihnachtstagen ließest du dir das gefallen; du wusstest, dass es keine Quälerei war, sondern Notwendigkeit.
In der Zeit, bevor ich dich kennenlernte, hattest du bereits einige harte Jahre hinter dir. Aufenthalt bei Menschen, die Katzen mit Chips und Pizza füttern, sie mit Messern traktieren, ihnen weder Auslauf noch ein anständiges Klo bieten.
Danach kamst du zu Frauchen, fandest ein großes Haus, einen weitläufigen Garten und einen Dosenöffner, der deiner bedurfte: Jemandes, der spürte, wenn es ihr schlecht ging. Nach dem Umzug ins kleine Haus warst du enttäuscht, dass du in der Wohnung bleiben musstest wegen der unmittelbaren Nähe zur vielbefahrenen Straße. Nach einiger Zeit stelltest du fest, dass du durch den Keller in den kleinen Garten ausbüxen konntest. Du liefst nicht auf die Straße, sondern in die Wiesen, besuchtest das alte Haus und fandest dort Leere, drinnen wie im Garten, und kamst zurück.
Waren wir fort, saßest du am Fenster und begrüßtest uns bei der Heimkehr. Gelegentlich unternahmst du kleine Raubzüge in die Küche, wenn niemand da war. Du warst zufrieden.
Und der Tumor in deiner Blase wuchs immer weiter, und der Gries nahm immer mehr zu. Am Wochenende wurdest du lethargisch, wolltest weder fressen noch trinken. Du hattest Schmerzen, wenn man dich auf den Arm nahm.
Der Tierarzt versuchte am Montag, dir nochmal einen Katheter zu legen, um deine Blase zu leeren, hatte aber wegen des stark gewachsenen Tumors keine Chance mehr. Der Katzengott hatte dir ein langsames und schmerzvolles Ende zugedacht, aber der Arzt machte ihm bezüglich der Attribute einen Strich durch die Rechnung. Am 7. Februar um 17 Uhr bist du auf seinem Operationstisch eingeschlafen.
Dein Klingeln schwebt noch immer durch das nun stillere Haus. Noch finden sich Katzenhaare an an allen möglichen Stellen. Noch immer spüre ich wie zuvor dein Gewicht auf der Decke, wenn ich im Bett liege, rieche deinen feinen Duft nach Vanille – wo immer du den her hattest, höre dein Schnurren, bilde mir ein, dass dein Wassernapf gefüllt werden müsste, sehe deine schlanke Gestalt auf dem Fensterbrett sitzen oder auf die Heizung geschmiegt. Das wird bleiben, solange ich in diesem Haus ein und aus gehe. Und dann?
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Tags:kater, katzen, leben, maxi




….berührende Worte für Lieben und Fehlen eines Lebenswesens.
Wunderschöne Fotos, die dieses Lebewesen weiter in Erinnerung halten
und es lebendig scheinen lassen.
Ich kann die Leere nachempfinden.