wohin?
Diese Geschichte betrifft einen ältereren Herrn, der mittlerweile seit Jahrzehnten immer im November in Urlaub fliegt. Wohin es geht, ist ihm ebenso klar wie den Freunden, die er seit langen Jahren immer wieder am Urlaubsort trifft: Es geht auf eine Mittelmeerinsel, die zu einem nordafrikanischen Staat gehört. Dort kennt man die Leute, und man kennt sich da aus. Die Frage “wohin?” in der Überschrift betrifft also nicht das Reiseziel, sondern etwas anderes:
Nach dem letzten Urlaub beklagte sich der ältere Herr, das mit dem Fliegen werde immer komplizierter, Senieoren würden immer mehr überfordert. Schon wieder gebe es neue Regelungen betreffend dem, was man im Handgepäck mitführen dürfe und was nicht. Er wisse kaum noch, was er wo einpacken oder überhaupt noch mitnehmen dürfe. Das könne sich ja bald kein Mensch mehr merken.
Jener Herr hatte gerade zuvor eine Anzahl Gläser in den Container nicht weit von seiner Haustür geworfen. Vom Schalk gebissen fragte ich ihn, wie denn die Modalitäten für Papierabfall etc. in seiner Stadt wären. Das hätte ich besser nicht getan. Der Senior überlegte kurz, holte tief Luft und legte los. Komprimiert ergab sein Vortrag etwa Folgendes:
Müll bitte nicht in den Ofen, sondern in die graue Tonne. Wenn grüner Punkt drauf nicht in die graue, sondern in die gelbe Tonne. Außer Papier. Das, auch mit grünem Punkt, in die blaue.
Und außer Glas. Dieses, wenn durchsichtig, in den weißen Container, wenn braun oder grün, in den grünen.
Grüner-Punkt-Gebinde von Farben, Lacken und Lösungsmitteln nicht in die Tonne, sondern zum Schadstoffmobil. Glühbirnen, obwohl Glas, auch. Gebinde mit eingetrockneten Farben statt zum Schadstoffmobil in die graue Tonne. Batterien nicht zum Schadstoffmobil, sondern zum Einzelhändler, Einwegflaschen von Getränken auch. Einwegflaschen von “Diät”-Drinks dagegen in die gelbe Tonne.
Joghurt- und Margarinebecher in Schwaben gespült in die gelbe Tonne, in NRW ungespült.
Volle Staubsaugerbeutel laut Gemeinde in den Sondermüll, beim Schadstoffmobil werde aber gesagt, kann in die graue Tonne.
Essensreste in die braune Tonne, außer gekochte Reste, die in die graue. Oder alles in den eigenen Komposter. Aber erst nach Antrag bei der Gemeinde, Nachweis des Komposters und von Gartengrund, wo der Kompost verwendet werden kann, und gegen Befreiungsgebühr.
Müllabfuhr donnerstags. Alle vierzehn Tage Blau und Grau bzw Gelb und Braun. Ist in der Woche danach ein Feiertag, dann Müllabfuhr einen Tag früher (Blau/Grau bzw Gelb). Biomüll (braune Tonne) dagegen wird Freitag alle zwei Wochen von Mai bis Oktober, alle drei Wochen von November bis April am Freitag geleert. Ist Freitag Feiertag, erfolgt Leerung Samstag.
Tonnen mit den Rädern zum Fahrbahnrand auf dem Bürgersteig aufstellen bis 7 Uhr; stehen sie anders, wird nicht geleert.
Als der Dozent dazu ansetzte, sich auch noch detailliert über die Modalitäten der Sperrmüllabfuhr auszulassen, unterbrach ihn meine Frage, was denn nun an der Handgepäckregelung so viel schwieriger sei als bei der Müllabfuhr?
Der Herr schwieg – mich mit ungläubig-verwundertem Blick anstarrend…
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