freudenberg und seine bäder

28Jul11

Freudenberg und seine Bäder

Freudenberg, ein kleines Städtchen am Rande des Siegerlandes, ist pleite. Die Stadt deren Zentrum der historische “Flecken” mit seinen Fachwerkbauten ist, steht unter Zwangsverwaltung. Seit einiger Zeit tröpfeln die traurigen Nachrichten über die städtischen Bäder.

Das Hallenbad im Schulzentrum müsste dringend saniert werden, auch das Freibad überlebt bestenfalls noch die Saison 2011 wegen defekter Filter. Die Situation ist miserabel. Schon aktuell werden keine Saisonkarten mehr verkauft. Man hofft, durch Absatz von Mehrfachkarten die Finanzlage ein wenig zu verbessern. Das “Sommerwetter” aber hält tapfer dagegen: selbst der Himmel weint.

Nun kommt die regierende CDU auf die Idee, eventuell das Freibad zum Naturbad umzubauen, und schaut dabei nach Deuz. Dazu ein paar Anmerkungen:

Im Gegensatz zu Deuz, wo das Freibad in einem relativ weiten, im Grunde flachen Tal liegt, befindet sich das Freudenberger Bad in einem engen Taleinschnitt. In Deuz konnte auf großzügigem Gelände ein Reinigungsteich angelegt werden, für den in Freudenberg wohl kaum Platz wäre. Solch eine natürliche Filteranlage muss auch gegen Betreten und verunreinigen geschützt werden können.

Trotz des Reinigungsteiches reicht in Deuz in betriebsstarken Zeiten allein die natürliche Reinigung nicht aus; es muss Frischwasser zugesetzt werden. Die Deuzer schaffen das, weil sie direkten Zugriff auf ein Brunnenhaus hinter den Tennisplätzen haben. Dort besteht ein Vertrag mit der Gemeinde über Wasserentnahme zu Preisen, die erheblich unter denen von Leitungswasser liegen.

Diese Wasserzugabe ist in warmen Zeiten nötig, damit die Temperatur des Badewassers nicht über 24 Grad steigt. Ist das über längere Zeit der Fall, dann kippt die biologische Klärung bei starkem Betrieb um. Die Brunnenanlage enthält auch einen entkeimenden UV-Filter, der nicht umsonst zu haben ist.

Die Sanierungskosten in Freudenberg werden auf einen sechstelligen Betrag geschätzt. Die Umbauten in Deuz verursachten meines Wissen Kosten von über 700.000 Euro, von denen einen erheblichen Teil die Gemeinde Netphen getragen hat, um das alte, marode Bad loszuwerden.

Deuz wurde von einem Trägerverein übernommen. In diesem arbeiteten engagierte, zum Teil auch recht wohlhabende Bürger mit. Diese investierten regelmäßig eine Menge Zeit, Berufserfahrung, Arbeit und steckten auch eigenes Geld in den Umbau. Der Verein war im übrigen recht erfolgreich beim Einwerben von Zuschüssen.

Die nachträglich installierte (gebrauchte) Solar-Heizungsanlage in Deuz war eine Spende und wurde aufwendig wieder instandgesetzt und mit dem vorhandenen Heizungssystem über Wärmetauscher verbunden, das Eintrittssystem mit Chip für Früh- und Spätschwimmer musste angeschafft, installiert und programmiert werden und die damit verbundene alljährliche Ausgabe der Schlüssel gegen Pfand und Haftungsausschlusserklärung, ihre Freigabe im System sowie die Rücknahme erfordert auch einen gewissen Verwaltungsaufwand.

Der Verein ist kreativ was Veranstaltungen, Baumaßnahmen, Organisation von Abläufen etc. angeht und die Gemeinde hält sich raus.

Schwimmaufsicht führen Rettungsschwimmer durch, die selbständig arbeiten und darin und in ihrer Autorität den Badegästen gegenüber vom Vereinsvorstand vorbildlich unterstützt werden. Die Pflege der aufwendigen Grünanlagen leisten Mitglieder des Vereins; die Rasenpflege habe ich in meiner Zeit als Aufsicht dort in betriebsschwachen Zeiten, auch morgens oder abends, neben der Aufsicht, dem Kassieren und dem Überwachen der Pumpenanlagen geleistet.

Die Entlohnung für die umfangreiche Arbeit und Verantwortung war anständig und angemessen. Es war kein Billigjob – weder von der Aufgabe her noch was die Bezahlung anging. Auch und gerade in einer solchen Anlage muss eine Person fest da und als Aufsicht, Ansprechpartner, Krisenmanager etc. vorhanden sein – den Traum vom “billigen Rettungsschwimmer”, der nur Beckenaufsicht machen muss, sollte man sich abschminken.

Die Preise in Deuz sind im übrigen im Vergleich zu Freudenberg moderat. Als Beispiel seien die Zehner- oder Saisonkarten für Kinder oder Familien genannt.

Ich sehe für Freudenberg, all das zusammen betrachtet, kaum eine Möglichkeit, das Deuzer Beispiel zu kopieren. Und die Hallenbadsituation würde z.B. für Schulkinder oder Winterschwimmer (die Hallenbadsaison ist halt im Siegerland immer länger als der “Sommer”) um keinen Deut verbessert …



Eine Antwort auf „freudenberg und seine bäder“

  1. [...] Die Sanierungskosten in Freudenberg werden auf einen sechstelligen Betrag geschätzt. Die Umbauten in Deuz verursachten meines Wissen Kosten von über 700.000 Euro, von denen ein erheblicher Teil die Gemeinde Netphen getragen hat, um das alte, marode Bad loszuwerden. [...]

    * * *

    Eine lokale Webseite berichtet im September 2011, dass ein Umbau zum Naturfreibad nicht möglich sei, weil schon die Anlage eines Filterteichs über 200.000 Euro verschlingen würde.

    Angedacht ist nun das Ersetzen eines der maroden Filter. Ob der dafür notwendige Betrag aufgebracht und das Freibad für die Saison 2012 wieder geöffnet werden kann, ist bislang unklar…


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s